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Tiere in sozialen Medien – Kein Like für Tierleid!

Schnell kommt man bei der Nutzung sozialer Medien wie Tiktok, Instagram, Facebook und Co. mit Tierfotos oder Tiervideos in Kontakt, die als lustig oder niedlich empfunden und vielfach „geliked“ werden. In den sozialen Netzwerken gibt es mittlerweile eine regelrechte Flut von Tiervideos, welche Millionen von Clicks erhalten und aktiv verbreitet werden. Tiere als Hauptdarsteller von Accounts auf sozialen Medien verzeichnen als „Petfluencer“ oft Abonnentenzahlen, wie sie sonst nur von Prominenten erreicht werden. Auch eine Vielzahl verschiedener „Challenges“ unter speziellen Hashtags sind zu finden, welche schnell zu einem Schneeballeffekt führen. Die Nachahmer erstellen dann ihrerseits mit dem eigenen Haustier Videos zur Challenge und stellen diese ins Netz, immer in der Hoffnung auf viele „Likes“. Dass bei einigen dieser Challenges sogar Tiere zu Tode kommen können, ist den Nachahmern nicht klar.

Teilweise werden Tiere auch bewusst in gefährliche Situationen gebracht, um dann eine vermeintliche „Rettung“ (fake-rescue) zu inszenieren, bei der die Kamera ununterbrochen läuft und das Elend der Tiere einfängt, um damit Geld zu verdienen.

Problematisch ist auch der Trend, Selfies mit Wildtieren zu posten. Wildtiere, die in Urlaubsgegenden für Selfies „gemietet“ werden können, erleben Stress und leiden. Sie werden meist nicht artgerecht gehalten, teilweise gezielt für die Vermarktung an Touristen gefangen und um fügsamer und ungefährlicher zu werden ruhiggestellt, misshandelt oder bekommen Zähne und Krallen amputiert. Auch tatsächlich wildlebende Tiere sollten nicht für ein Foto bedrängt werden, dies kann fatale Folgen bis hin zum Tod der Tiere haben und auch für den Menschen sehr gefährlich werden. In Spanien kam beispielsweise 2017 ein Delfinbaby zu Tode, weil es von Badegästen festgehalten, aus dem Wasser gehoben und herumgereicht wurde um Fotos zu machen.

Wo ist eine Darstellung noch harmlos, und wo fängt Tierleid an?

Abgesehen von offensichtlicher Gewalt und Quälerei ist bei der Darstellung von Tieren in sozialen Medien leider oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen, dass die von uns Menschen als erheiternd empfundene Situation eines solchen Videos oder das Thema der Challenge mit großem Stress und Leid für das Tier verbunden sein kann. Für Laien wirken diese „Challenges“, Fotos oder Videos harmlos, da sie keine offensichtlich tierschutzrelevanten Handlungen zeigen. Allerdings wird bei näherer Betrachtung oft deutlich, dass sich die dargestellten Tiere unwohl fühlen oder gar ängstlich sind und leiden.

Was können Bürgerinnen und Bürger gegen Tierleid in den sozialen Medien unternehmen?

Zunächst ist wichtig, darauf zu achten, ob das Tier im Video oder auf dem Foto zufällig aufgenommen wurde oder evtl. absichtlich in eine unangenehme oder gefährliche Situation gebracht wurde. In solchen Fällen steht das menschliche Interesse („Clicks“, „Likes“, Profit) im Vordergrund. Für die Tiere sind diese Situationen in den leichtesten Fällen mit Unwohlsein und Stress verbunden, in schlimmeren Fällen leidet das Tier, im Extremfall bis hin zum Tod.

Derartige Fotos sollten nicht „geliked“ und auch nicht weiterverbreitet werden. Man sollte keine Fotos mit Wildtieren in Gefangenschaft machen und Abstand von frei lebenden Wildtieren halten. Auch die Darstellung von Qualzuchten oder Tieren, welche offensichtlich kupiert wurden, sollte man ignorieren (nicht „liken“, nicht teilen etc.). Eindeutige Gewalt gegen Tiere sollte bei der Polizei angezeigt werden (sofern sich der Vorfall in Deutschland ereignet hat). Videos mit tierquälerischem oder gewaltverherrlichendem Inhalt sind bitte unbedingt beim Betreiber des Mediums zu melden.

Die Welttierschutzorganisation stellt im Rahmen ihrer Kampagne "Stoppt Tierleid in den sozialen Netzwerken" einen Leitfaden zum Umgang mit kritischen Inhalten im Zusammenhang mit der Darstellung von Tieren in den sozialen Medien zur Verfügung. Dieser Leitfaden kann zur Unterstützung bei der Bewertung von Inhalten helfen.

Auch der SWR hat diesem Thema eine Sendung gewidmet.